Es geht nicht spurlos an einem vorüber, wenn man sich beruflich jeden Tag mit den verlorenen Jobs und dem Niedergang unserer Volkswirtschaft befasst. Auch robustere Gemüter können am Zustand unseres Landes nur noch verzweifeln.
picture alliance / CHROMORANGE | MICHAEL BIHLMAYER
In Mainz leben etwa 225.000 Menschen. Stellen Sie sich bitte mal kurz vor, lieber Leser, dort hätte niemand mehr einen Arbeitsplatz. Also tatsächlich niemand, kein einziger Einwohner.
Unvorstellbar?
Bis zum Jahr 2035 werden nach neuesten Berechnungen des Verbands der Automobilindustrie (VDA) in Deutschlands wichtigster Wirtschaftsbranche 225.000 Arbeitsplätze wegfallen. Also ziemlich genau einmal Mainz. Oder einmal Halle, dort leben etwa genauso viele Menschen.
Aber das beherrschende Medienthema ist ein falsch abgebogener Buckelwal.
Niederschmetternde Chronik
Seit zwei Monaten erstelle ich für TE den „Jobverlust-Report“. Glauben Sie mir bitte: Das ist kein Spaß.
Seit 35 Jahren bin ich Journalist. Ich mag meinen Beruf. Aber die tägliche Recherche für die TE-Aufstellung der verlorenen Arbeitsplätze lässt mich erstmals Grenzen meiner professionellen Belastbarkeit erahnen.
Denn was ich da zusammentrage, ist keine Sammlung irgendwelcher Missstände. Es ist kein einzelner Skandal, keine singuläre Affäre. Es ist keine normale Nachricht im herkömmlichen Sinn.
Es ist ein Tagebuch der Deindustrialisierung meiner Heimat.
Ein Land im freien Fall
Der „Jobverlust-Report“ im März listet 12.199 gesichert weggefallene Arbeitsplätze auf. Im April sind es 14.247 Stellen. Dazu kommen noch einmal weit mehr als 100.000 akut gefährdete.
Die Arbeitslosenquote bei uns ist mit 6,5 Prozent so hoch wie seit 2014 nicht mehr. Wieder mehr als drei Millionen Menschen haben keinen Job. Aber die Statistik lügt, sie beschönigt die Lage. Gar nicht erst mitgezählt werden:
- Menschen über 58 Jahre, die seit mindestens einem Jahr keine Arbeit gefunden haben.
Das sind nach offiziellen Schätzungen 170.000 Betroffene. - Kurzarbeiter – sie gelten weiter als angestellt, obwohl sie nicht arbeiten.
Das betrifft 136.000 Menschen. - Teilnehmer an Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM), Weiterbildungen oder Umschulungen.
Das sind noch einmal 750.000 Betroffene. - Menschen, die gerne arbeiten würden, aber von der Arbeitssuche entmutigt sind und sich nicht offiziell arbeitslos gemeldet haben (häufig Frauen).
Diese sogenannte „Stille Reserve“ schätzt das Statistische Bundesamt (Destatis) auf etwa drei Millionen (!) Betroffene.
Kein Schreibfehler: drei Millionen. Zusätzlich.
Und: erwerbsfähige Bürgergeldempfänger, davon etwa 2,3 Mio. nicht arbeitslos gemeldet.
Und täglich grüßt die Kündigung
Jeden Tag – wirklich jeden einzelnen Tag – findet sich irgendwo ein Fall.
Ein Traditionsbetrieb gibt auf, ein Unternehmen kann sich nur noch viel weniger Mitarbeiter leisten, ein Start-up hat sich überhoben und ist am Ende. Oft geht gleich die ganze Firma unter, und mindestens feuert sie viele Mitarbeiter. Immer.
Obendrauf kommen dann noch die Hiobsbotschaften von den Großen: Automobilhersteller verkünden Massenentlassungen und Sparprogramme, deshalb gehen Zulieferbetriebe in die Knie. Reihenweise. Dasselbe in der Chemie, im Maschinenbau, in der Elektronik.
Es ist eine schier endlose Flut an Entlassungen und Pleiten.
Organisiertes Desinteresse
Für fast alle Politiker und für die allermeisten Journalisten sind das nur langweilige Statistiken.
Das ist verstörend. Denn hinter jeder Zahl steckt ein Fall, und jeder Einzelfall ist ein Schicksal. Nicht selten werden ganze Regionen in ihren Grundfesten erschüttert. Vielleicht bin ich davon deshalb so angefasst, weil ich in meinem Leben auch nicht alles richtig gemacht habe.
In jüngeren Jahren war ich tatsächlich einmal pleite. Also: richtig pleite. Ich weiß, wie sich ein gepfändetes Konto anfühlt. Ich weiß, wie sich ein Gerichtsvollzieher im Wohnzimmer anfühlt. Und ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn die eigenen Kinder ihre Sparbüchsen spenden wollen, damit der fremde Mann da wieder weggeht.
Das macht nicht stolz. Da ist es auch ganz schnell vorbei mit jeder Form von Eitelkeit. Und man vergisst es nicht.
Nicht wenigen von den Neu-Arbeitslosen heute dürfte es jetzt so gehen wie mir damals. Die Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten für das laufende Jahr mindestens 110.000 Privatinsolvenzen. Nur 2010, kurz nach der Weltfinanzkrise, gab es mehr (139.000).
Man kann es nicht anders sagen: Deutschland schifft ab.
Wahrheit oder Pflicht?
Jugendliche spielen das bis heute: Man bekommt eine unangenehme, meistens intime oder sonst irgendwie peinliche Frage gestellt.
Danach hat man die Wahl: Entweder, man gibt eine ehrliche Antwort. Das kann, je nach Frage, sehr peinlich sein. Oder man muss etwas machen, was die anderen Mitspieler ausgeheckt haben. Das ist dann fast immer sehr peinlich.
Im Beruf des Journalisten ist das anders. Hier heißt es: Pflicht zur Wahrheit. Deshalb kann man den Großteil der Journalisten bei uns auch problemlos als pflichtvergessen bezeichnen, ohne auch nur ansatzweise ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.
Bei TE werden wir weiter versuchen, unsere Pflicht zu tun – und Ihnen, dem Publikum, die Wahrheit zu sagen. Auch wenn das nicht immer angenehm ist. Aber für uns sind verlorene Arbeitsplätze halt wichtiger als ein Buckelwal.
Und so werde ich auch ganz persönlich weiter brav und fleißig jeden Monat den „Jobverlust-Report“ schreiben. Dafür werde ich weiter brav und fleißig jeden Tag die Wirtschaftsmeldungen zusammentragen.
Und ich werde weiter ehrlich zu Ihnen sein: Ein Spaß ist das nicht.
Eine Bitte in eigener Sache: Wenn die großen Unternehmen sterben oder entlassen, ist es eine Meldung. Aber Mittelständler und kleinere Betriebe gehen ohne Schlagzeilen zu Grunde – obwohl sie oft noch wichtiger sind für die Region, und für die betroffenen Arbeitslosen ohnehin.
Bitte informieren Sie uns mit einer kurzen Mail oder Hinweisen auf die Lokalzeitung unter kontakt@tichyseinblick.de


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Ich glaube nicht an eine deutsche Depression, sondern nur daran dass die Weltwirtschaftskrise hierzulande, weil exportabhängig, tiefer und schwerer sein kann wie im Rest der Welt. Das war nach 1929 genauso.
Heute streben die Aktienmärkte weltweit nach unten.
Kein Wunder- nach dem schweren Zerwürfnis zwischen XI und Trump in Peking.
Da stellen sich mir auf Anhieb mehrere Fragen an den Journalisten:
Das ist das Problem mit Journalisten. Nie ordentlich gearbeitet oder gar einen Betrieb von innen gesehen, keine technische Ausbildung. Allein ordentlich Schreiben mag zwar nett sein…
Gilt auch fuer unsere Politiker! Nie gearbeitet ausser in der Partei- wo auch die Eltern schon taetig waren ( Doro Baer ). Immer gut die Aktentasche auffangen ( wie bei Herrn Habeck ) Politwissenschaften studieren (ohne Ahnung vom richtigen Leben und Geld zu haben ) aus wohlhabendem Beamten oder oeffentlicher Dienst Haus kommend, sich seinem Partei Vorgesetzten anbiedern(schleimen) das ist unser Problem. Begrenzt den Einfluss und die Privilegien sowie die fetten Diaeten. Politiker (sollten ) zuallerest UNS dienen und nicht ihrem Portemonnaie.
Es ist so gewollt….über 70% wollen es so….das ist Demokratie….wenn über 70% das Land in die Grütze fahren wollen….dann ist das eben so.
Ohne die Industriearbeitsplätze, können die sozialen Kassen, wie wir diese kannten, nicht existieren. Weil sich die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse sich in unserem Land drastisch verändert haben, muss die Politik darauf reagieren. Bisher reagiert diese Transfer – Elite nur in der Form, sich selbst immer mehr Macht, Privilegien und noch höhere lebenslange Versorgungen zu zuschieben. Diese Transfer – Elite, schaut dem Volk auf´s Maul und verfolgt und zersetzt mutmaßlich oder tatsächliche Kritiker / Oppositionelle. Aber, selbst den Bildungsfernen Schichten ist inzwischen klar, dass sie um ihren Lohn und ihre Lebensqualität betrogen werden. Zu Gunsten der Transfer – Elite, welche bestehend… Mehr
Hmm, ist denn Macht, Privilegien und eine lebenslange großzügige Versorgung nicht genau der Grund, warum Menschen in Landes- und Bundespolitik gehen? Ist denn die Politik nicht ein Auffangbecken für diejenigen, die sonst wenige Chancen im Leben hätten? Genau deswegen hat eine Führung der Grünen ja gesagt, dass es für ein mandat im Bundestag nicht darauf ankommt, ob jemand lesen oder schreiben kann. Wichtig ist nur die richtige Haltung.
Och nö, immer wieder müssen Buckelwale, Ratten oder Kaninchen im Vergleich für das Versagen von Menschen herhalten.
Oh Ja das kenne ich aus meiner Vergangenheit zu Gut als Handwerker komplett Überschuldet gewesen leider schon durch die Fehlentscheidungen meines Vaters und Ich selbst viel zu Junggewesen um die Konsequenzen zu überblicken dann einmal das volle Programm mitgemacht Jede Woche den Gerichtsvollzieher begrüsst Strom mit einem Nummernzähler bekommen 2 ½ Jahre keine Krankenversicherung gehabt zum guten Ende noch das Haus für Lau Zwangsversteigert worden,Von meinen Lieben Mitbürgern nach Möglichkeit gemieden worden als ob ich eine ansteckende Krankheit hätte und zu guter letzt in einer 400 Jahre alten Hausbaracke untergekommen aber was soll ich sagen da hats im Kopf ganz… Mehr
Frage an Herrn Heiden: die arbeitslosen Bürgergeldempfänger werden aber doch in der Arbeitslosenstatistik erfasst, sofern sie nicht in irgendwelchen „Maßnahmen“ stecken (was bei vielen der Fall ist, um die Statistik schönzufärben).
„Noch einmal obendrauf. Fast 10 Millionen Menschen ohne Arbeit“. Wobei das nicht das Problem ist, wer will schon Arbeit. Aber Einkommen, das ist wichtig. Und die Frage: Wer zahlt’s?
Sie sind deprimiert? Vielleicht sind Sie gar nicht depressiv sondern nur nicht einfallsreich genug? Wie waere es damit, jeden der seinen Arbeitsplatz im gewerblichen Bereich verliert, einfach zu verbeamten? Und ihn, oder sie, jeweils jenem Ministerialdirigenten unterzuordnen der seine Unterabteilung am lautesten zur Hauptabteilung aufbauen und sich selbst zum Ministerialdirektor ernannt sehen moechte? Es kommt so viel, und in Zukunft noch viel mehr, Material aus Brussel, das in Deutschland gesichtet, zugeordnet und verwaltet werden muss, dass uns die Vrwaltungsarbeit im Bund und den Laendern niemals ausgehen wird! Vielleicht brauchen wir dann noch viel mehr Ministerialdirigenten und Ministerialdirektoren zur Fuehrung von… Mehr
Der Verlust der Arbeitsplätze ist für die Betroffenen natürlich ein herber Schlag, das eigentlich Schlimmste ist jedoch der Verlust der Wertschöpfung. Es ist ja in der Regel nicht so, das die Arbeitsplätze aufgrund des Unvermögens der Unternehmer oder Automatisierung verloren gehen, meistenteils handelt es sich hier um wissentlich und willentlich von der Politik vernichte Arbeitsplätze und Existenzen. Wenn in einigen Jahren die KI massenhaften Einzug in die Unternehmen findet, stellt sich die Frage ob dann noch genug Wertschöpfung für alle vorhanden sein wird. Da kommen zunächst dunkelste Zeiten auf Land und Leute zu.
Sie haben Recht.
Ich muss aber sagen, dass nach Jahren des Moralisierens es mir schwerfällt, Mitleid mit Menschen zu emfpinden, die gegen die Kernkraft, gegen CO2, für bunt, für offene Grenzen waren.
Großzügigkeit muss klug gespielt werden. Man muss sie sich leisten können.
Reiche Menschen haben früher Krankenhäuser und Museen gespendet. Dabei haben sie ihre Betriebe nicht in Bankrott getrieben und weiterhin nach heutigen Maßstäben „ausgebeutet“.
Viele Deutsche haben in der Wahlkabine vergessen, dass Grundlage der Wohltaten eine funktionierende Wirtschaft ist.
Traurig. Aber kein Mitleid.
Wissentlich und Willentlich vernichtete Arbeitsplätze.
Dem muß man das Geschwafel von „Grünen“ Arbeitsplätzen gegenüber stellen,
was für einen Aufschwung die Energiewende und „grüne“ Poltik bringen würde.
Vor den realen Tatsachen verschließen die Verantwortlichen die Augen und machen Ruinirend unfähig die Reaklität zu erkennen weiter